ProLife, Kapitel 2 Für die Frau oder für das Kind? (Why ProLife? Chapter 2, Pro-Woman or Pro-Child?)

By Randy Alcorn March 21, 2019

Kapitel 2

Für die Frau oder für das Kind?

Meine Frau und ich engagieren uns in der Pro-Life-Arbeit, weil uns die Frauen, die abtreibungsbedingt schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sind, leidtun. 1981 öffneten wir unser Haus für ein schwangeres Mädchen, das noch im Teenageralter war. Ich arbeitete in der Leitung eines der ersten Schwangerschaftszentren an der US-amerikanischen Westküste mit. Wir hatten das Ziel, bedürftigen, desorientierten und verzweifelten schwangeren Frauen zu helfen und ihnen Alternativen zur Abtreibung anzubieten.

Nach einiger Zeit wirkte ich bei der Aufklärungsarbeit von Pro-Life mit, bei entsprechenden politischen Aktionen und friedlichen, gewaltlosen Protesten außerhalb von Abtreibungskliniken. Manche Pro-Life-Aktionen richten ihr Augenmerk mehr auf die Rettung ungeborener Kinder, andere mehr auf die Hilfen für schwangere Frauen. Ich meine, dass beide Bemühungen lebensnotwendig sind und mit den Zielen von Pro-Life völlig im Einklang stehen.

Eine Bewegung, die Sie vielleicht nicht kennen

Unzählige Mythen ranken sich um die Pro-Life-Bewegung. Ein Beispiel ist die oft wiederholte Aussage: »Pro-Life-Leute kümmern sich gar nicht um schwangere Frauen oder um Kinder, wenn sie geboren sind.« Eine Fernsehreporterin kam bei einer Pro-Life-Aktion vor laufender Kamera auf mich zu und bat mich um eine Erwiderung gegen diese Anklage. Ich sagte: »Nun, meine Frau und ich öffneten unser Haus für ein schwangeres Mädchen und kamen für ihre Kosten auf, während sie bei uns wohnte. Wir unterstützten sie, als sie sich entschieden hatte, ihr Kind zur Adoption freizugeben. Und weil Sie danach fragen – wir spenden einen wesentlichen Anteil unseres Einkommens, um armen Frauen und Kindern zu helfen.«

Dann stellte ich ihr meinen Freund, einen Pastor, vor, der mit seiner Frau neben mir stand. Er hatte neunzehn Kinder adoptiert, darunter mehrere mit Downsyndrom oder anderweitigen Behinderungen. Die Reporterin signalisierte dem Kameramann, er solle aufhören zu filmen. Ich fragte sie, ob sie meinen Freund interviewen wollte. Sie schüttelte den Kopf und ging davon, um jemanden zu suchen, der ihren Stereotypen über die Pro-Life-Leute entsprach und der Behauptung, dass wir uns nicht um die Kinder kümmern, wenn sie geboren sind.

Die Wahrheit ist, dass Tausende von Pro-Life-Organisationen überall in den USA und weltweit kostenlose Schwangerschaftstests, Ultraschalluntersuchungen und Beratungen durchführen. Außerdem kümmern sie sich um Selbsthilfegruppen und bieten Kurse in Kinderfürsorge an. Sie beraten im Umgang mit Geld, sorgen für Babysitter, Hygieneartikel, Kinderkleidung und Unterkünfte. Hinzu kommen Zehntausende von Gemeindemitarbeitern, die Zeit und Geld aufwenden sowie Lebensmittel bereitstellen und sogar Häuser sanieren bzw. noch vieles andere tun, um in Not geratene Schwangere, alleinerziehende Mütter und einkommensschwache Familien zu unterstützen. Zahllose Pro-Life-Leute adoptieren Kinder, öffnen ihre Häuser und stellen sich zur Verfügung, um Kindern zu helfen, nachdem sie geboren sind. Zusammenfassend sei gesagt: Ich bin davon überzeugt, dass diese Bemühungen tatsächlich die bei Weitem größte freiwillige Basisbewegung repräsentieren, die es in der neueren Geschichte der weltweiten christlichen Gemeinde gibt.

Während jene, die Abtreibungen anbieten, die Frauen dafür bezahlen lassen, bieten alle, die Alternativen zur Abtreibung aufzeigen, ihre Hilfen kostenlos aus Liebe und fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit an. Im Gegensatz zu manchen verzerrten Darstellungen sind diese Leute nicht nur für die Geburt, sondern tatsächlich für das Leben. Es geht ihnen um das Kind und um die Mutter, und beiden helfen sie vor und nach der Geburt des Kindes.

Unsere nationale Schizophrenie

Trotz der Spaltung zwischen denen, die sich als »ProChoice« und »Pro-Life« bezeichnen, glauben weit mehr als zwei Drittel aller US-Amerikaner, dass Abtreibung »moralisch verwerflich« (14) ist. Einige Pro-Life-Befürworter halten es deshalb nicht mehr für notwendig, dafür ein  zutreten, dass Ungeborene Menschen sind oder dass Abtreibungen aufhören müssten. Stattdessen sollte das Hauptaugenmerk darauf gerichtet werden, Frauen zu der Erkenntnis zu bringen, dass Abtreibung nicht in ihrem Interesse liege. Ich stimme mit ihnen nachdrücklich darin überein, dass den Frauen ge- holfen werden muss.

Doch viele Frauen glauben immer noch, dass Ab- treibung – so schlimm sie auch sein mag – das kleinere Übel und die bessere Alternative ist, als ein Baby zu bekommen, ein Kind aufzuziehen oder es zur Adoption freizugeben. (15)

Wir müssen zeigen, dass Männern und Frauen die An-  sicht eingehämmert wurde, Abtreibung sei die beste Wahl. Die Alternativen dazu sind zwar herausfordernd, aber einzig die Abtreibung tötet eine unschuldige Person. Und eben weil das so ist, führt sie zu den bei Weitem negativsten Konsequenzen im Leben einer Frau.

Oftmals sind es die gleichen Leute, die einerseits glauben, Ungeborene seien Menschen und Abtreibung sei un  moralisch, andererseits aber selbst Abtreibungen vornehmen lassen und sie als legitim verteidigen. Damit be - weisen sie, dass sie nicht glauben, Abtreibung sei genauso unmoralisch wie das Töten eines drei Monate oder auch eines nur drei Tage alten Menschen.

Umfragen beweisen ebenso, dass viele der gleichen Leute, die meinen, Abtreibung sei unmoralisch, der Ansicht sind, sie sollte legal bleiben. Das ist eigenartig. Immerhin glauben sie ganz sicher, dass Vergewaltigung, Menschenraub, Kindesmissbrauch und Mord unmoralisch sind, aber sie würden niemals argumentieren, dass Vergewaltigung und Mord legalisiert werden sollten. Das zeigt einen fundamentalen Unterschied zwischen dem, was sie in Bezug auf Vergewaltigung und Mord unter »unmoralisch« verstehen, und dem, was für sie hinsichtlich der Abtreibung »un moralisch« ist.

Niemand, der ein ungeborenes Kind als vollwertigen Menschen bezeichnet, kann rational für die Legitimierung der Abtreibung eintreten, wenn er nicht auch die Tötung anderer menschlicher Wesen gutheißt. Immerhin kann jedes Argument für Abtreibung, das auf die Schwierig keiten, den Stress und finanzielle Engpässe im Leben der Frau abzielt, genauso überzeugend auf ihr Kind im Alter von zwei Jahren oder im Teenageralter, auf ihren Ehemann oder ihre Eltern angewandt werden. In vielen Fällen kosten ältere Kinder mehr Geld und stellen höhere Anforderungen an die Mutter als ein Ungeborenes. Jeder erkennt sofort, dass solche Argumente unhaltbar sind, wenn es um die Tötung älterer Kinder geht. Warum trifft das dann nicht auf die Ungeborenen zu?

Viele Frauen sagen nach einer Abtreibung, sie hätten gar nicht gewusst, was sie in sich trugen. Einigen war un bewusst klar, dass sie ein Kind erwarteten, aber sie waren auf die entmenschlichende Pro-Choice-Rhetorik herein gefallen, die ein ungeborenes Baby nicht als solches bezeichnet, sondern es ein »Produkt der Empfängnis«, einen Embryo, einen Fötus oder manchmal auch entsprechend der alten un wissenschaftlichen Propaganda einen »Gewebeklumpen« nennt.

Wenn diese Frauen nach der Abtreibung ihren Irrtum entdecken, bedauern sie zutiefst, von den Abtreibungskliniken getäuscht worden zu sein, wo man ihnen etwas für wahr verkaufte, was nicht den Tatsachen entsprach. Sie halten das, was sie taten, für das Ergebnis einer vorübergehenden Un zurechnungsfähigkeit, in der sie gewöhnlich von wohlmeinenden, aber irregeleiteten Freunden oder Familien  mitgliedern bestärkt wurden. Und sie wünschen, jemand hätte versucht, ihnen auszureden, was sie jetzt innerlich verfolgt. Eine Frau, die wegen ihrer Schuld und Scham weinte, sagte zu mir: »Ich hatte gebetet, dass wenigstens ein Mensch draußen vor der Klinik stehen möge, um mir von meiner Ab  treibungsabsicht abzuraten. Aber da war niemand.«

Wir sollten schwangeren Frauen, die sich unter Druck gesetzt fühlen und zur Abtreibung gedrängt werden, mit Liebe und Fürsorge begegnen. Aber wir sollten auch solche Frauen liebevoll behandeln, die abgetrieben haben, und alles tun, was dazu beiträgt, das Trauma der Abtreibung zu überwinden.

Ein falsches Entweder-oder

Es liegt in niemandes Interesse, ein Kind zu töten. Nicht nur das Kind leidet, sondern auch die Mutter.

Gerade weil das Ungeborene ein Kind ist, sind die Folgen der Tötung so schwerwiegend. Die Identität des ersten Opfers, des Kindes, bedingt den Kummer des zweiten Opfers, der Mutter. Darum müssen wir unsere Betrachtung über die Abtreibung und deren Folgen damit be  ginnen, unseren Blick auf die wahre Identität des Ungeborenen zu richten.

 

Footnotes:

14 Lydia Saad, »Americans Still Split along ›Pro-Choice‹, ›Pro-life‹ Lines«, Gallup Politics, 23. Mai 2011; http://www.gallup.com/poll/147734/Americans-Split-Along- Pro-Choice-Pro-Life-Lines.aspx (abgerufen am 19. 9. 2014).  Siehe auch »Gallup Finds Two-Thirds of Americans Believe Abortion Is Morally Wrong«, LifeSiteNews, 3. Juni 2003;  http://www.lifesite.net/ldn/2003/jun/03060308.html (abgerufen am 19. 9. 2014).

15 Paul Swope, »Abortion: A Failure to Communicate«, First Things, April 1998, S. 31-35.

Randy Alcorn, founder of EPM

Randy Alcorn (@randyalcorn) is the author of fifty-some books and the founder and director of Eternal Perspective Ministries